Lean in der Kita – was ist der Kundennutzen?

Blogbild - LEAN in der Kita - einfach besser arbeiten

Wenn Lean in vielen Bereichen anwendbar sein soll, dann auch in Kindertagesstätten?

Sie liebt Kinder über alles und hat sich sehr früh entschieden, Erzieherin zu werden. Mit mittlerweile mehr als 14 Jahre Berufserfahrung, als Mitarbeiterin, Gruppenleitung und Leitung mehrerer Einrichtungen hat sie sehr viele Facetten von „Erziehung“ in Kindertageseinrichtungen kennen gelernt. Die Spannweite an Qualität ist dabei sehr groß. Die einen sehen sich lediglich als „Betreuer“ und schauen, dass sie den Tag mit den Kindern irgendwie herum bekommen. Die anderen, wie auch Alex, machen sich ständig Gedanken, wie sie die Kinder in ihrer Entwicklung noch besser begleiten können. Ich freue mich heute sehr, dass der erste Gastbeitrag auf meinem Blog von meiner Frau Alexandra Bieler kommt. Sie ist eine Erzieherin mit Begeisterung und Leidenschaft und ich bin froh und glücklich, nicht nur deshalb aber auch darum, mit ihr verheiratet zu sein.

Doch nun genug der langen Rede. Hier ist der Beitrag zum Thema Lean in der Kita und dem Prinzip des Kundennutzens. Alex hat das Wort…

Eine Kindertagesstätte ist auch ein Unternehmen

Nachdem du dich mit Lean beschäftigst und ich von dir mal grob gehört habe, was das so sein soll, Habe ich mich gefragt: wenn Lean für sämtliche Bereiche ein guter Weg sein soll, um zu verbessern und positiven Erfolg zu haben, wie könnte dies in einem sozialen Berufsfeld z.B. in Kindertagesstätten angewandt werden, oder von Nutzen sein? Mir ist aufgefallen, wenn du von Veränderungen mit dieser Lean-Einstellung innerhalb von Betrieben und Firmen sprichst, dass ich es im Gespräch mit dir, automatisch auf meinen, mir vertrauten Tätigkeitsbereich, Kindergarten projiziere, um es zu verstehen. Dabei stelle ich oft fest: so anders als in Kindertagesstätten oder viel „größer“ oder komplizierter ist das in Firmen gar nicht.

Es gibt bei uns keine materiellen Gewinne. Es gibt keine Produktion greifbarer Dinge, die an einen Kunden geliefert werden. Aber, auch wir haben Kunden, Ziele und Methoden, müssen Qualität zusichern und Verbesserungen anstreben.

Da gibt es z.B. die in Kindertagesstätten bekannte Auseinandersetzung mit dem Verständnis des „Bild vom Kind“ innerhalb eines Teams. Leider oft ein Einheitsbrei aus schon geschriebenen Konzepten. Jede Einrichtung soll eine solche Niederschrift dieser Auseinandersetzung mit der pädagogischen Sichtweise zu den Kindern haben. Ein individuelles Bild vom Kind.

Entspricht das dann auch der täglichen Arbeit, dem Gefühl der einzelnen Erzieherin? Empfindet und lebt sie das, was da auf dem Papier steht oder ist es eben nur ein Papier, das sich beim Lesen wunderbar anhört? Ist es eben eines von vielen Konzepten, welches im Falle der Nachfrage vorgelegt werden kann? Oder kann es mit dem Lean Gedanken individueller werden, greifbarer, echter – echt? etwa authentisch?

Was ich verstanden habe:

Lean ist kein Konzept, welches mit Vorgaben und Handlungsschritten versehen, eins zu eins auf alle Betriebe kopiert werden könnte. Sozusagen eine Konzeptvorlage. Es ist vielmehr eine Einstellung, mit der Dinge z.B. Probleme oder Veränderungsprozesse angegangen werden können.

Lean verfolgt keine starren Absichten und Handlungsschritte.

Lean hat Ziele, nämlich zu verbessern und positiv erfolgreich zu sein, ohne pauschal zu kürzen, einzuschränken oder Wesentliches innerhalb eines Betriebes, aufgrund einheitlicher Vorgehensweisen unter den Tisch fallen zu lassen.

Lean hat Prinzipien, die nach einmaligem Lesen deines Blogbeitrags auch mir einleuchteten und genauso wichtig und tragend sind, wenn man wie ich, in sozialpädagogischen Einrichtungen und Teams tätig ist.

Auch dort geht es immer wieder um Verbesserungen, um Qualitätssicherung, um Frustrationen auf Grund unterschiedlicher Rahmenbedingungen und individueller Profilierung. Genauso, wie in Firmen eben auch. Auch wir wollen herausstechen, die Zielgruppe ansprechen und gute Arbeit leisten.

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Wer sind unsere Kunden?

Wohl doch in erster Linie die Kinder!

Ja, ich weiß, auch die Eltern bzw. Familien als Ganzes. Es muss nicht darüber diskutiert werden, ohne die geht es nicht, ganz klar!

Aber auch wir als Mitarbeiter einer Kindertagesstätte, der Träger und viele mehr, haben Anforderungen und Erwartungen.

Bezogen auf die Frage, was Lean ist und ob es denn nun auch im Bereich des Kindergartens sinnvoll sein könnte, kamen mir im ersten Gedanken aber doch die Kinder, um daran beispielhaft den Lean-Gedanken zu verstehen.

In Verknüpfung mit den herausragenden Ansichten, Erkenntnissen und Projekten von Prof. Dr. Gerald Hüther (deutscher Neurobiologe), heißt das doch dann nach meinem Verständnis:

Lean (als Einstellung) + Prof.Dr. Gerlad Hüther und seine Forschungsergebnisse + Kinder + Erzieher/innen + Gefühl / Begeisterung zum Beruf =

Kinder sind unsere „Kunden“ (ein etwas kühles Wort und dient auch nur der Verknüpfung in meinen Kopf mit Lean). Es sollte unser Ziel sein, deren Interessen und Fähigkeiten zu erkennen und in ihnen eine Begeisterung und Leidenschaft auszulösen, die sie zu starken, selbstbewussten und kreativen Menschen werden lässt, die lebenslang Spaß daran haben, „bergzusteigen“ (ein Ausdruck von Prof. Dr. Gerald Hüther/ bergsteigen in diesem Bezug).

Ganz nach dem Motto der bekannten Maria Montessori (italienische Ärztin und Reformpädagogin):

„Das Leben anzuregen – und es sich dann frei entwickeln zu lassen – hierin liegt die erste Aufgabe des Erziehers.“

Wie könnte die praktische Umsetzung aussehen?

Die praktische Umsetzung des Ganzen, wonach auch ich gefragt habe, denn man ist es ja gewohnt eine Anleitung, ein Konzept zu haben, welches einem sagt was zu tun ist, wäre im Fall Lean:

In jeder Einrichtung individuell jegliche pädagogischen Aktionen, Impulse und  Einstellung mit diesem Ziel regelmäßig zu reflektieren und dabei immer zu fragen:

Fördern wir hiermit die Begeisterung und Begeisterungsfähigkeit, die  Leidenschaft des Kindes, sich mit dieser Sache auseinander zusetzen?

Wenn ja, fördern wir doch automatisch deren Interessen und  Fähigkeiten,  um die es in Konzepten sozialpädagogischer Einrichtungen ständig geht? (z.B. das Prinzip der Beobachtungen und Dokumentationen)

Wir müssten uns selbstkritisch fragen: Habe ich heute selbst Freude empfunden, als ich dieses und jenes Spiel, den Morgenkreis, die Besprechungsrunde usw. gestaltet habe?

Ist dies z.B. nicht der Fall, ist das der beste Ansatz etwas an der eigenen Begeisterung und Motivation zu tun. Denn wir arbeiten doch mit kleinen Menschen, die von uns geliebt, begleitet, respektiert, ernstgenommen und „gefühlt“ werden wollen.

Einem Menschen irgendetwas mit zu geben, kann nur funktionieren, wenn zu der Offenheit etwas „bekommen“ zu wollen, die Bereitschaft des Gebers vorhanden ist und dieser das auch wirklich will und es in seiner Begeisterung dafür ausdrückt.

Wenn dann noch Gefühl dazu kommt, bezogen auf die Kinder und deren Freude, Dinge zu tun, ist dies doch der zuträglichste Weg, als Einrichtung zu glänzen. Und zwar nach innen und nach außen. Ohne Stetig große, schwere Konzepte auf Papiere zu drucken und in Schränke zu verstauen.

Liese sich in einer so ehrlichen Team- und Selbstreflexion  nicht auch feststellen, ob man wirklich dafür berufen oder gemacht ist, diese Aufgabe zu übernehmen?

Das wiederum fordert eine strenge Selbstreflexion und Erkenntnis an der auch Lean wohl nichts ausrichten und ändern kann?

Aber der Gedanke, ohne strenges Konzept, trotzdem mit Methode in Bereichen der Themenauseinandersetzung Qualität zu schaffen und das ganz individuell, finde ich tatsächlich auch sehr interessant.

Alexandra Bieler

einfach-besser-arbeiten.de

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