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Überstunden: Arbeitnehmer in Deutschland arbeiten rund 2,5 Stunden „zu viel“

Laut einer Studie der EU-Agentur „Eurofound“ arbeitet ein Arbeitnehmer in Deutschland wöchentlich rund 2 Stunden und 36 Minuten länger als er eigentlich müsste. Nur jeder Vierte erhält dafür eine Entschädigung. Doch ist das rechtens?

Natürlich ist es im beruflichen Umfeld immer wichtig, die Stimmung zwischen den beiden Parteien – Arbeitnehmer und Arbeitgeber – positiv zu gestalten. Doch manchmal gibt es einfach unterschiedliche Interessen. Während der Arbeitnehmer Feierabend machen möchte, wird seine Arbeitsleistung weiterhin vom Arbeitgeber benötigt – die Rede ist von Überstunden. Oder: Des einen Freund ist des anderen Leid.

Auch „gehalt.de“ kommt auf ähnliche Ergebnisse: Fast zwei Drittel (64% Prozent) aller Berufstätigen in Deutschland arbeiten regelmäßig länger als vereinbart. Über 40 Prozent aller Angestellten bleiben täglich eine Stunde länger, 16 Prozent sogar zwei Stunden. Vier Prozent aller Arbeitnehmer gaben an, dass sie sogar eine 65-Stunden-Woche haben.

Die EU-Agentur „Eurofound“ definiert ihre Ergebnisse noch etwas erschreckender: Während der Durchschnitt 37,7 Stunden pro Woche arbeiten muss, kommen am Ende ganze 40,3 Stunden dabei heraus. In keinem anderen EU-Land machen Arbeitnehmer so viele Überstunden wie in Deutschland. Nur rund jeder Vierte erhält für seine Mehrarbeit eine Entschädigung.

Das Gesetz regelt die Überstunden! Oder?

Nun ja, so wirklich bindende Regelungen gibt der Gesetzgeber nicht vor. Denn insofern es keine ausdrückliche Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber gibt, kann der Arbeitnehmer die Mehrarbeit ablehnen – eigentlich. Denn wer möchte sich im eigenen Unternehmen schon Feinde machen? Liegt keine Vereinbarung vor, welche die Überstunden regelt, müssen Mitarbeiter lediglich in Notfällen einspringen. Die Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber (§ 14 Abs. 1 Arbeitszeitgesetz) schreibt dies vor. Diesel Klausel greift allerdings nur, wenn es wirklich ein großes Problem gibt, zum Beispiel einen Maschinenausfall oder ein Rohrbruch. Wenn kurzfristig ein großer Auftrag ins Haus geflattert ist und der Chef diesen wahrnehmen möchte, dann ist das kein Grund für Überstunden. Zumindest nicht offiziell.

Darüber hinaus ist allerdings zumindest das Maximum der in Deutschland zulässigen Überstunden geregelt. Der Gesetzgeber sagt pauschal: Mehr als 10 Stunden pro Tag darf ein Mitarbeiter nicht arbeiten. Im Halbjahresschnitt gilt: Nur 48 Stunden pro Woche sind erlaubt. Und auch für aufeinanderfolgende Schichten macht der Gesetzgeber klare Angaben: Zwischen dem Arbeitsende-und dem –beginn müssen mindestens 11 Stunden liegen.

Vereinbarungen beider Parteien sind das A und O

Eigentlich müssen die Überstunden des Arbeitnehmers vom Arbeitgeber dokumentiert werden. Doch sollte sich der Arbeitnehmer darauf verlassen? Die Erfahrung zeigt: Nein. Allein schon, weil dem Arbeitgeber bei einem evtl. Gesetzesverstoß im Thema Überstunden bis zu 15.000 Euro Geldstrafe drohen, sollte er fleißig dokumentieren. Ein Urteil vom 16. Mai 2012 (Aktenzeichen 5 AZR 331/11) zeigt die Wichtigkeit von Vereinbarungen – auch wenn sie auf mündlicher Basis bestehen: Ein Kaufmann und sein Arbeitgeber haben sich auf bis zu 20 Überstunden pro Monat geeinigt. Doch letztlich forderte der Arbeitnehmer eine Entschädigung für seine Überstunden. Das Gericht wies ab und begründete dies mit der bestehenden Vereinbarung.

Und auch ein Urteil vom 22. Februar 2012 (Aktenzeichen 5 AZR 765/10) zeigt: Vereinbaren Sie eine Überstundenregelung! In dem betreffenden Urteil verlangte ein Lagerarbeiter mit einem Brutto-Monatslohn von 1.800 Euro nach der Vergütung seiner fast 1.000 Überstunden. In der Vereinbarung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber stand, dass der Arbeitnehmer je nach betrieblichen Erfordernissen Überstunden zu leisten hat – ohne Vergütung. Das Gericht stufte die Vereinbarung allerdings als nicht klar und verständlich ein. Grund: Laut Vereinbarung hätte der Arbeitnehmer auch an Sonn- und Feiertagen arbeiten müssen. Das Bundesarbeitsgericht entschied zugunsten des Mitarbeiters. Ein wesentlicher Punkt in diesem Fall ist der Lohn des Arbeitnehmers. Denn bei einem branchenspezifisch hohen Gehalt ist eher davon auszugehen, dass Mehrarbeit ohne Vergütung erfolgen muss.

Bei Auszubildenden gibt es klare gesetzliche Regelungen

Wie in vielen Bereichen werden Auszubildende auch in puncto Überstunden geschont. Denn bei ihnen ist klar: Droht der Chef mit Überstunden, dann können sie ablehnen. Denn entweder müssen die geforderten Überstunden zusätzlich vergütet oder mit einem Freizeitausgleich belohnt werden.

Die Arbeitszeiten sehen bei Jugendlichen deutliche Grenzen vor: Pro Tag darf ein Jugendlicher nicht mehr als acht Stunden arbeiten, pro Woche nicht mehr als 40. Auch bei volljährigen Auszubildenden gibt es klare Regeln: Maximal sechs Tage pro Woche, maximal acht Stunden. Also: Auch erwachsene Auszubildende dürfen lediglich 48 Stunden pro Woche arbeiten. Vorrübergehend darf die Arbeitszeit sogar auf 10 Stunden pro Tag und 60 Stunden pro Woche erhöht werden. Übrigens: Tarifverträge gelten immer vor individuellen Arbeitsverträgen. Nur, wenn der Arbeitsvertrag für den Mitarbeiter bessere Auswirkungen hat, gilt dieser.

Sie sehen: Das Thema ist sehr komplex, weshalb wir eine detaillierte Dokumentation der Arbeitszeiten und damit verbundenen Überstunden empfehlen. Auch im Arbeitsvertrag sollte konkret festgehalten werden, wie viele Überstunden monatlich mit dem Gehalt abgegolten sind.

Die Dokumentation von Überstunden kann laut Gesetzgeber auch mit Zettel und Stift erfolgen. Umfangreichere Zeiterfassungssoftwares erlauben darüber hinaus eine umfangreiche Berichtsmöglichkeit. Der Vorteil: Neben der Dokumentation der Arbeitszeiten erfahren Sie außerdem: Wie effektiv ist mein Unternehmen? Ist ein Mitarbeiter mit seinem Stundenkonto im Plus? Welcher Mitarbeiter hat woran wie lange gearbeitet?

 

Über den Autor

Moritz Hofmann studierte Informatik und Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Universität Dortmund und ist Geschäftsführer der clickbits GmbH in Unna. Das Unternehmen vertreibt seit 2009 die Zeiterfassungssoftware clockodo. Mit dem webbasierten Tool können Arbeitszeiten schnell, unkompliziert und zuverlässig online erfasst werden. Außerdem ist die Erstellung umfangreicher Berichte möglich.

 

Jan Bieler

Als Prozessmanager, Trainer und Moderator im Lean und Kaizen Umfeld helfe ich Menschen in Teams und Organisationen dabei, mit immer weniger Aufwand und durch digitale Tools immer bessere Ergebnisse zu erzielen und damit einfach besser zu arbeiten.

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